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Mainstream

Context

Wie jedem wahrscheinlich bereits bewusst ist, bin ich ein modebewusster Mensch. Nicht für “herkömmliche” Mode, sondern für eben jene in meiner Nische. Damit einhergehend gibt es natürlich einige Marken welche ich verfolge. Umso enttäuschter war ich, als ich bemerkte, dass die neueren Collectionen einer meiner lieblings Marken immer mehr Richtung Mainstream gehen. Aus verspielt, kreativ, mutig und ausgefallen wurde Tracksuit sowie Jeans-Look.

Nun ich würde diesen Post nicht schreiben, nur weil eine Sache, die ich mag, mainstream geworden ist und ich deshalb frustriert bin. Stattdessen hat es nun schon zwei Marken getroffen.

Ein kleiner Kreis

Ich muss mir leider eingestehen, dass ich nicht alt genug bin, um sagen zu können, dass ich meine Interessen und Hobbys bereits habe, als sie noch niemand kannte. Jedoch bin ich genau alt genug, um mitbekommen zu haben, wie etwas von nicht mehr ganz verpönt zu relativ Mainstream geht. Um diesen Prozess euch ein wenig mehr zu erklären (und weil es einfach meine Art ist, mich so mitzuteilen), mache ich es mit ein paar Beispielen.

Videospiele

Beginnen wird direkt mit meinem ersten richtigen Hobby. 2014 habe ich angefangen, videospiele zu spielen und auch wenn ich mittlerweile deutlich weniger zeit damit verbringe, habe ich die veränderungen durch die lange zeit, die ich schon dabei bin, so gut mitbekommen, wie bei keinem anderen Beispiel. Dadruch das es Videospiele schon lange vor mir gab, war es nicht mehr so extrem verpönt, wie in den Anfängen, bevor ich auf die Welt kam. Es gab bereits Mainstream Spiele wie CoD und Fifa. Jedoch waren diese die ausnahme.

Mit der Zeit und dem absurden wachstum der Videospiel branche wurden Videospiele immer mehr auf Gewinnmaximierung umgestellt. Es entstanden Konzepte, wie die Ubisoft Formel, nach welcher sich jedes Spiel penibel richtete und wodruch die Unterschiede zwischen ablegern bspw. der Assassin’s Creed Reihe eigentlich nur noch visueller natur wurden. Auch die Anzahl an DLCs wurde immer größer und es wurde immer normaler, dass diese schon kurz nach Release rauskamen, also eigentlich nur Inhalte aus dem Spiel gekürzt wurden, um damit mehr Profit zu schlagen. Dies resultierte in free to play spielen, Games as a service und Gacha games. Diese drei arten Videospiele zu Produzieren, die leider auch häufig zusammen auftreten, dominieren seit einigen Jahren den Gaming markt und führen zu absurden gewinnen auf kosten der Spieler. Dazu wurden Genre wie Shooter und Sportspiele so weit ausgebeutet, dass es eigentlich kaum noch positive Beispiele für Games in diesem Genre gibt.

Hierbei ist natürlich sehr wichtig zu erwähnen, dass Videospiele immer noch wunderschön sind und es eine Gigantische menge an inspirierenden Beispielen gibt. Alleine schon die Existenz von Indiegames und wie diese eben durch die oben genannten Entwicklungen an Popularität gewonnen haben, sind Zeugnis darüber, dass Videospiele nicht auf einmal alle schrecklich sind und die Industrie sich auch wieder in eine gute Richtung entwickeln kann.

Anime

Ich bin ein richtiger Anime Fan seit ungefähr 2018 (eventuell auch schon eins zwei Jahre früher). Hier sieht man schon, dass ich nicht Fan seit erster Stunde bin, sondern etwas, bevor Anime so richtig Mainstream geworden ist. Ein Stückchen vor Anime wie JJK und Demon slayer 2020. Ich habe also den Wandel von kleineren Gruppen die Anime mögen, wobei es natürlich auch schon große events gab, hin zu dem stand, wo mittlerweile jeder in meiner Generation mindestens ein paar Anime geschaut hat und es immer stärkere überlappungen mit bereits völlig im Mainstream angekommenen communitys wie der Gym-kultur (worüber ich auch gewisse meinungen habe, aber darum geht es nicht) gibt.

Durch diesen Wandel von Nische hin zum Mainstream ist leider das selbe passiert, wie mit videospielen: “Oh, da gibt es Geld zu machen”. An dieser Stelle könnte und wäre es eventuell sogar meine Pflicht, eine detaillierte Ausarbeitung darüber zu machen, wie der Kapitalismus systematisch Kunst zerstört, aber auch darum soll es hier nicht gehen. Belassen wir es einfach dabei, dass Geld Aufmerksamkeit von Leuten anzieht, die nicht unbedingt etwas machen, um Künstlerischen Mehrwert zu bieten. Expliziter hat sich das darin geäußert, dass die Generierung von Inhalten, genau so wie bei Videospielen, angetrieben wird von Monetären vorzügen, anstatt Passion. Dabei passiert auch hier, das selbe, wie bei Videospielen, nämlich wird darauf Optimiert, was sich gerade gut verkauft. Von Anime aus Genre, die gerade besonders beliebt sind (momentan und seit einer Weile Isekai) wird man förmlich überschwemmt.

Selbstverständlich und dennoch wichtig zu betonen, gibt es auch hier einen sehr hohen Anteil, der immer noch aus von Passion angetriebenen Projekten besteht. Es geht eher um einen generellen Wandel, als aufzuzeigen, dass Anime nur noch aus monetären Gründen produziert werden. Alleine in dieser Saison könnte ich mindestens ein Dutzend Produktionen hervorheben, die mich ernsthaft inspirieren, weil sie mit so viel Leidenschaft erstellt wurden.

Youtube

Ich schaue aktiv YT seit ungefähr 2016. Ich habe Gronkh nicht verfolgt, seitdem er Videos macht, aber lange bevor er mit Streaming angefangen hat. Ich war nicht bei den ersten Videos von Rezo dabei, aber habe den hype mitbekommen, als er Apored gedisst hat. Ich kenne Julien bam nicht seit seinem Anfang, aber verfolge ihn, als er noch Videos mit ApeCrime gemacht hat. Man kann hier also sagen, dass ich ziemlich weit vor dem Hype dabei war.

Es ist durchaus schwierig darzulegen, in welcher Hinsicht YT damals, als Videos noch keine x-stelligen Beträge an Budget hatten, besser war als jetzt. Aus einer rein qualitativen Sicht sind die Videos die zur heutigen Zeit veröffentlicht werden überaus beeindruckend, jedoch auch langweilig. Zu sagen, dass die meisten Creator nicht mehr Wert auf Kreativität legen, wäre wohl etwas übertrieben, zugleich bedarf Reaktionen auf Videos deutlich weniger, als sich kleine Sketches auszudenken und diese zu verfilmen. Wenn ich meine Startseite aktualisiert sehe ich glatt gebügelte, perfekt optimierte Thumbnails und Videotitel. Jedes Video ist darauf ausgelegt meine Aufmerksamkeit möglichst lange für sich zu beanspruchen und ungefähr in der Hälfte gibt es eine Produktplatzierung zu einem von ungefähr fünf Produkten, welche regelmäßig wechseln, aber immer gleich schlecht bleiben. Auch hier wird also zunehmend der Monetäre wert über den Künstlerichen gesetzt und Projekte enstehen immer weniger aus Passion heraus.

Genau wie bei den anderen Beispiel davor gibt es zahllose Creator, die absolut nicht in das Oben beschriebe passen, sondern immer noch Originelle Ideen verfilmen.

Streaming

Momentan konsumiere ich eigentlich keinen Streaming content. Jedoch habe ich es einige Zeit lang so um 2018 getan und wie ich gleich darlegen werde, ist Streaming das wohl extremste Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Sache mainstream wird und dadurch Leute das schnelle Geld riechen.

Auch als ich Streaming kennengelernt habe, war es bereits klar, dass man dadurch ein bisschen Geld verdienen kann. Es gab Creator, welche gezeigt haben, dass jahrelange Arbeit sich auf allen Ebenen auszahlen kann. Durch Innovative Ideen und ein unglaubliches Maß an Anstrengung, sind diese Leute beliebt geworden. Jedoch gab es irgendwann immer mehr creator, welche auf den Zug aufsteigen wollten und sich anstatt mit kreativität und innovation eine Goldene nase zu verdienen, dies mit Casino streams oder dem Belästigen von wildfremden taten

Kickstreamer

Hier sind wir nun angekommen. Die spitze von dem, wozu Gier führt. Für diejenigen, welche mit Kick nichts anfangen können: Kick ist eine Streaming Plattform, welche von der größten Online-Casino- Website gegründet wurde. Der unterschied zu Twicht und YT ist hierbei, dass Casino streams (wer hätte es gedacht) völlig in Ordnung sind und es generell quasie keine Regeln gibt. Man wird im endeffekt bei nichts gebannt. Das führt dazu, dass Menschen, welche niemals eine Reichweite haben sollten sich eine aufbauen können auf einem Berg von Menschenfeindlichem content. Die Top creator sind häufig zu sehen, wie sie mit Rechtsradikalen und Verurteilten Menschen händlern (ja, beides zusammen in einem stream) zusammen streamen oder so lange eine Person für Views ausnutzen bis diese verstribt. Ich wünschte mir, dass ich übertreiben würde, aber das tue ich nicht.

Das hier ist das anschauliche und mit Abstand ekelhafteste Beispiel, was passiert, wenn ein ehemals harmloses und schönes Hobby durch pure Gier zu einem gesellschaftlichen Problem wird.

Der Mainstream

Wer aufmerksam die Beispiele betrachtet hat, dem ist bereits aufgefallen, dass es ein klares Muster gibt, dass sobald Dinge aus ihrer Nische ausbrechen, sie nicht mehr von Leidenschaft und ehrlichem Interesse, sondern aus Gier getrieben werden. Dadruch verändert sich die Sache selbst, den da es nun um Geld geht möchte niemand mehr etwas neue Probieren, sondern das Perfekt optimierte muster immer wieder anwenden. Trotzdem gibt es noch ein paar wichtig zu erwähnende sachen:

Ich bin gegen Gatekeeping. Falls sich jemand für etwas interessiert, ist das etwas wahrlich wunderbares. Jedes Interesse sollte mit offenen Armen begrüßt werden und nicht mit verschlossenen Toren. Dieser nun so imposant dargestellte Wandel lässt sich nicht aufhalten, indem man dafür sorgt, dass etwas niemals bekannt oder beliebt wird. Man kann diesen Wandel nicht aufhalten und wer es versucht, hat das wirkliche Problem nicht verstanden.

Mainstream hat auch seine guten Seiten. Auch wenn es nicht so wirkt, hat es natürlich enorme Vorteile, wenn etwas besser finanziert wird. Es werden Dinge möglich, die vorher undenkbar gewesen wären. Ich habe mehrere Anime-Filme im Kino sehen können und werde bald einen Indi-Animationsfilm im Kino sehen. Das ist fantastisch!

Bei den Beispielen wie Youtube, Videspielen und Anime verurteile ich das System und nicht diejenigen, die in diesem Leben und Überleben müssen. Natürlich stört es mich, wenn ich merke, dass etwas nicht aus Leidenschaft sondern Profitinteresse geschaffen wird. Zugleich bin ich mir aber schmerzlich dem Fakt bewusst, dass das Leben geld kostet. Ganz anders natürlich bei den Kick-Streamern, dafür zählt diese Erklärung absolut nicht und es gibt auch keine Rechtfertigung dafür, die das, was diese Menschen aus Profitinteresse anstellen, ansatzweise tolerierbar macht.