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Discord

Ich nutze nicht gerne Discord. Um es genauer zu beschreiben, bereitet es mir unbehagen, irgendeine Online-Kommunikationsplattform zu nutzen. Das war noch nicht immer so. Um genau zu sein, war das vor einer Weile so, dann nicht mehr für eine Zeit und nun wieder. Aber ich sollte wahrscheinlich am Anfang beginnen.

Angststörung (2016-2018)

Mit ungefähr 11 Jahren entwickelte ich eine relativ stark ausgeprägte Angststörung bei der Interaktion mit Menschen im Internet. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon seit ungefähr 2 Jahren, aufgrund von Videospielen, viel im Internet unterwegs. Deshalb war ich selbst überrascht, als ich jedesmal verstummte, sobald jemand den Voicechat betrat, den ich nicht kannte. Die genauen Gründe, weshalb es in diesem Alter dazu kam, verstehe ich bis heute nicht, aber ich fürchte, dass ich das irgendwann richtig aufarbeiten muss. Irgendwann war es so ausgeprägt, dass ich den Kontakt zu fast allen, die ich zu diesem Zeitpunkt übers Internet kennengelernt habe, abbrach.

Seit dieser drastischen Entwicklung habe ich, logischerweise, den Kontakt zu anderen im Internet gemieden. Das stellte auch, in den meisten Fällen, nicht wirklich ein Problem dar, weil ich meine 2-3 Freunde hatte, mit denen ich Tag ein Tag aus Zeit online verbrachte. Unangenehm war es immer dann, wenn meine Freunde, ihre Freunde dazu holten. Nicht sofort den voic chat zu verlassen oder einfach nichts mehr zu sagen, stellte immer eine extreme herausforderung dar.

Hochphase (2019-2020)

Irgendwann dann mit 14 legte ich diese Angst wie durch Zauberhand ab und ich konnte nun sogar teilweise richtig gut mit Leuten im Internet reden. Viel besser sogar als im echten Leben. Auch wenn ich dort vereinzelt Freunde hatte, waren es nicht ansatzweise so viele wie im Internet. Dort war ich teilweise sogar beliebt, was im realen Leben undenkbar war. Daraus resultierte, dass ich nun sehr viel Zeit mit sehr vielen Menschen, online, verbrachte. Es war ein soziales Hochgefühl, was ich zu dieser Zeit mit nichts vergleichen konnte. Zu dieser Zeit habe ich dann auch einen sehr interessanten Menschen kennengelernt, der, wie ich später begriff, meine Meinung zu Kontakten im Internet völlig veränderte.

Fernbeziehung (2021-2023)

Man sagt, man ist, was man isst. Man erntet, was man sät. So ging es mir auch. Dadurch, dass schätzungsweise 90% meiner sozialen Interaktion im Internet stattfand, war es logisch, dass ich irgendwann auch durchs Internet, zum ersten Mal in eine Beziehung kommen würde. Mit 15 Jahren, war das dann der Fall. Nachdem ich mich zwei Monate mit einem, wie ich damals dachte, sehr netten, sympathischen und Attraktiven Menschen anfreunden, wobei ich nach einem bereits gefühle entwickelte (zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mal, wie diese Person aussah) bin ich in meine erste Beziehung gestolpert. Mittlerweile war es 2021 also voller Lockdown. Nun trug sich mein gesamtes soziales Leben online zu. 100%. Damals war es wie ein Traum für mich. Ich war endlich in einer Beziehung, hatte alle Zeit der Welt für Videospiele und all jenen, welche mich ärgerten, konnte ich aus dem Weg gehen. So verbrachte ich 2,5 Jahre. Tag ein Tag aus.

Nach ungefähr einer dieser über zwei Jahre bemerkte ich, dass meine mentale Gesundheit rapide degradierte. Über die Gründe war ich mir noch nicht klar. Dazu sei gesagt, dass, obwohl es mir mental immer schlechter ging, ich dennoch sehr glücklich war. Auch als meine Gedanken immer dunkler wurden, waren meine Tage dennoch ziemlich sonnig. Als der Lockdown langsam gelockert wurde und ich wieder in die Schule ging, war ich in Purer Extase. Es war merkwürdig, aber ich genoss die Anwesenheit von anderen, wildfremden Menschen. Wieder unter Leuten zu sein hat mich auf einer noch tieferen und gesünderen Ebene glücklich gemacht, als all die Zeit, die ich Zuhause verbrachte. Das führte dazu, dass ich die Zeit, von Angesicht zu Angesicht, mit meinen Freunden immer mehr wertschätze und die Zeit alleine Zuhause vor einem Bildschirm reduzierte. Es erfüllte mich nicht mehr.

Das zwischendrin (2023-2024)

Nach 2,5 Jahren endete die Beziehung, was, wie ich später begriff, das Beste war, was mir im Leben je passiert ist. Da ich nun nicht mehr dazu gezwungen war, Zahlreiche Stunden in Discord-Telefonaten zu verbringen, war ich an einem neuen Tiefstand an Zeit, die ich online verbrachte. Durch diese grauenhaften 2,5 Jahren hat sich meine Meinung zu Personen, die ich online kennenlernte, drastisch verändert. Langsam kam ich zu dem Schluss, dass ich, auf lange Zeit gesehen, nie gute Erfahrungen mit Leuten aus dem Internet hatte. Es gab noch vereinzelt Online-Freundschaften, aber mein Interesse für neue war verschwunden. Ab und zu wagte ich mich noch auf irgendwelche Discord-Server, aber das war nun wirklich eine Ausnahme.

Als meine zweite Beziehung endete, habe ich viel Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken, wer ich bin, was mir Spaß macht und wer ich sein möchte. Ich kam nun final zum Entschluss, dass mir Freundschaften im echten Leben deutlich mehr bedeuten, als jene aus dem Internet.

Fall (2024(ende)-jetzt)

Nun begann ein neuer Abschnitt in meinem Leben: Das Studium. Tausende neuer Möglichkeiten, zehntausende neue Leute und sämtliche Wege, mich selbst neu zu definieren. Mir war klar, dass ich endgültig auf Erfahrungen im echten Leben mit Menschen aus dem echten Leben setzen will. Es war wirklich fantastisch, jeden Tag zahlreiche Stunden mit so wunderbaren Menschen verbringen zu dürfen. Mit Erlebnissen, welche mehr waren, als nur lange Gespräche, ohne das Gesicht einer Person zu kennen. Es war ein Traum und eine neue Phase von Glück in meinem Leben, wie ich es nicht mehr für möglich gehalten habe. Nun sei dazu gesagt, dass ich hier und dort mittlerweile wieder Kontakt zu netten Menschen habe, die ich noch nie getroffen habe, aber ich glaube, da habe ich einen guten Mittelweg gefunden und dass das die generelle Aussage nicht verändert.