Dieser Trend treibt mich in den Wahnsinn (・`ω´・) Zugegeben, ich bin sehr spät dran darüber zu reden, abbberr ich hatte damals diesen Block noch nicht UwU Aber fangen wir am Anfang an.
Was ist das für ein Trend?
Es geht darum einer Person, die einem nahesteht – für den Rest dieses Yaps geht es explizit um romantische Beziehungen, aber alles hier Gesagte ist auch anwendbar auf alle anderen Arten von zwischenmenschlicher Beziehung – etwas mitzuteilen, jedoch mit der Regel, dass die andere Person darüber nicht „Urteilen“ darf. Klingt gut? Nein TwT
My problem
Auf den ersten Blick hört es sich nach einer wunderbaren Möglichkeit an, der anderen Person die Dinge mitzuteilen, die einem peinlich sind. Soweit auch noch nicht wirklich problematisch – jeder hat dinge, die einem Peinlich sind. Jedoch wird bei diesem Trend nicht nur über einfache peinliche Themen gesprochen, sondern größtenteils über jene, welche besprochen werden sollten. Genauer gesagt, Themen, bei welchen es Klärung und Aufarbeitung bedarf, gibt. Aber die Möglichkeit für genau diese Aufarbeitung, das offene Gespräch, nimmt man weg. „We dont judge“
Die Sache mit der Kommunikation
Listen, ich weiß, wie unfassbar schwer es sein kann, unangenehme Themen anzusprechen und genau deswegen scheitern die meisten Beziehungen genau daran. Ich verstehe, wie verlockend es ist, bei einer anderen Person frei alles ansprechen zu können, ohne eine Reaktion erwarten zu müssen. Durch diesen Trend scheint es so einfach und es ist nicht so schwer, aber dafür braucht man eine gute Kommunikationsbasis. Das heißt zum einen, eine noch tiefliegendere Vertrauensbasis – das Vertrauen, mit der anderen Person alles besprechen zu können – und zum anderen die Fähigkeit Kommunikation so zu führen, dass der Sinn des gesagten auf eine Art rübergebracht wird, die nicht unnötig verletzend ist. All diese wichtigen Aspekte werden durch diesen Trend übergängen und das hat Konsequenzen.
Aber nochmal langsam: Was ist eine gute Kommunikationsbasis? Das beidseitige Verständnis und Vertrauen, dass auch unangenehme Themen angesprochen werden können in der Gewissheit, dass die andere Person angemessen – also auch nicht stark verurteilend – reagiert. Im Endeffekt wie der Trend, aber anstatt, dass die andere Person nicht reagieren darf, versteht diese Person das Gesagte und spricht ihre Perspektive dazu an. Am Ende hat man dann ein offenes Gespräch und kommt gemeinsam auf eine Lösung. An diesen Punkt zu kommen, braucht viel Zeit, Vertrauen und Gespräche darüber, wie man gemeinsam mit Problemen umgehen kann.
Beispiele :3
Timi und Emmi haben sich ganz dolle lieb UwU Aber Timi findet, dass Emmi miese stinkt.
Wenn Timi die Kommunikationsfähigkeiten eines Goldfisches hat und die beiden keine gute Kommunikationsbasis haben, sagt er: Emmi du riechst mies nach Scheiße, bitti geh Duschen.
Emmi geht regelmäßig Duschen, aber dennoch ist sie nun – verständlicherweise – verletzt. Sie schlägt mit einem Stock auf Timi ein, bis dieser sich nicht mehr bewegt.
Wie wir ganz klar erkennen können, hat Timi sich unfassbar unglücklich ausgedrückt. Emmi ist auch nicht geübt daran, Kritik an ihr anzunehmen und diese nicht als Angriff zu sehen – also in diesem Fall ist es natürlich auch nicht gut formuliert, don’t get me wrong XD.
Wenn Timi nun Kommunikationsprofi ist und die beiden eine gute Kommunikationsbasis haben, sagt er: Emmi, dein Körpergeruch ist irgendwie unangenehm. Ich liebe dich deswegen kein Stückchen weniger, aber vielleicht können wir herausfinden, woran das liegt, wäre das in Ordnung für dich?
Emmi – weil die beiden eine gute Basis haben – versteht nun, dass Timi sie damit nicht verletzen möchte, sie stellt Gegenfragen und gemeinsam lösen sie das Problem, yiipiii
Wie hier zu erkennen ist, hat Timi sich Gedanken gemacht, wie er Emmi sein Problem mitteilen könnte. Emmi versteht das Problem, sieht das, was Timi sagt, nicht als Angriff. Die beiden können nun gemeinsam an einer Lösung arbeiten.
Auch wenn das natürlich ganz bewusst sehr absurde Beispiele waren, sollte nun klar sein, wie unterschiedlich ein und dieselbe Information rübergebracht werden kann.
Jetzt packen wir alles zusammen
Nachdem ich nun – hoffentlich verständlich – gute Kommunikation erklärt, habe nun noch einmal ein Gedankenexperiment, was passiert, wenn man anstatt zu Kommunizieren den „We listen and we dont judge“ Trend mitmacht.
Johan und Sophia sind seit ca 6 Monaten zusammen. Sophia mag Johan wirklich sehr, er nimmt sich Zeit, riecht gut und geht oft mit Sophia ins Kino. Jedoch gibt es ein Problem: Sophia hasst es, ins Kino zu gehen. Die beiden haben keine gute Vertrauensbasis, deswegen hat Sophia Angst es Johan mitzuteilen und sie wüsste auch nicht wie. Aber zum glückt, gibt es diesen Trend. Sie setzt sich mit Johan hin und sagt ihm, dass sie es hasst ins Kino zu gehen. Johan verlässt den Raum. Was ist passiert?
Für Johan ist das Kino sein Wohlfühlort. Er wurde oft dafür ausgelacht und verspottet und freut sich deshalb umso mehr, wie sehr es Sophia anscheinend gefiel. Er fühlt sich betrogen, weil Sophia immer sagte, es gefällt ihr, außerdem hat er wieder Angst aufgrund seiner Interessen eine Person zu verlieren, die ihm viel bedeutet. Johan spricht seine Gefühle nicht an, weil wE doNt JUdge. Ich denke, es ist unschwer zu erkennen, dass es nun keinem der beiden gut geht.
Damm, warum ist dir das so wichtig
Empathie und eigene Erfahrungen.
Empathie mit all denjenigen – wahrscheinlich noch jungen Menschen – die durch diesen Trend eine falsche Grundlage von Kommunikation lernen oder gar nicht erst über die eigenen Gefühle reden können, weil „WE DONT JUDGE“(Ich kann nicht in Worte fassen, wie wütend dieses Konzept mich macht. Bei dem Gedanken daran, dass irgendeine Person jemals so etwas zu mir sagt, verliere ich den Verstand).
Die Erfahrung, Kommunikationsprobleme aus allen Perspektiven mitbekommen zu haben. Ich war mal derjenige, der zu viel Angst hatte, über die Probleme in der Beziehung zu sprechen. Die Person, welche sich den Wutausbruch der anderen Person anhören musste, wenn ich etwas ansprach. Der Typ, der sämtliche Kritik als Angriff nahm und letztlich auch der Junge, der in seinem Bett weinte, weil die andere Person nicht in der Lage war, die Probleme anzusprechen.
Aus diesen zwei Gründen ist mir dieses Thema so wichtig. Weil ich immer versuchen werde dafür zu sorgen, dass jede Person versteht, was eine gute Kommunikationsbasis ist.