Es gibt viele Dinge, wodurch man in einen anderen Geisteszustand kommt. Für die meisten Menschen sind es Drogen, wie Alkohol, Weed oder wahlweise auch stärkeres. Für mich gab es nie eine Substanz, nach der ich hätte süchtig werden können. Klar, Alkohol hilft dabei lockerer zu sein und alles ist witziger. Weed hilft bei einer entspannten Zeit und der Rausch ist wirklich knorke – damm, ich müsste mal wieder weed smoken TwT. Aber auch wenn es nie eine Substanz gab, nach der ich süchtig war, gab es dennoch eine Sache, nach welcher ich abhängig war – Anxiety
Der Rausch
Es fängt an mit einem leichten Unwohlsein. Alles fühlt sich komisch an, meine Gedanken werden für eine kurze Zeit leise. Dann kommt das Zittern, leicht, von außen nicht zu bemerken. Jede Sinneswahrnehmung ist stärker. Langsam beginnen meine Gedanken wieder zu sprechen, es werden immer mehr, immer intensiver. Dann werden sie konkreter. Es reicht schon ein kleiner anxiety Schub und ich habe ungefähr vier neue Ideen und tiefere Einblicke in meine Gedanken – ein tieferes Verständnis von mir selber. Es beginnt eine tiefe Selbstreflexion, wobei ich keine Kontrolle habe, worüber ich nachdenke. Oft beginnt es mit dem Thema, welches auch immer die anxiety verursacht hat. Selten bleibt es aber bei einem Thema. Meine Gedanken springen immer schneller hin und her, meine Fähigkeit mich auf eine Sache zu konzentrieren nimmt signifikant ab. Und obwohl ich mich kaum auf eine Sache konzentrieren kann, bin ich schlussendlich in einem Zustand, in welchem ich meine Gedanken viel besser ausdrücken kann, als gewöhnlich. Genau aus dieser plötzlichen Fähigkeit entspringt die Sucht, das Verlangen nach mehr.
Die Implikation
Um die Implikationen dieser Sucht besser zu verstehen, müssen wir kurz in die Vergangenheit, wo diese Sucht noch sehr viel mehr Einfluss auf meine Entscheidungen hatte. Damals verstand ich noch nicht das Gefühl, welches diesen starken Rausch auslöst. Was ich aber Verstand ist die Korrelation zwischen generell negativen Emotionen und meiner Fähigkeit mich selber zu verstehen/auszudrücken. Das führte dazu, dass ich Entscheidungen traf, welche negative Emotionen bedingten. Anstatt diese Emotionen zu vermeiden, setze ich mich diesen bewusst aus und entwickelte – anfangs ohne es bewusst zu merken – eine Abhängigkeit danach. Das führte zu recht harmlosen Dingen, wie die Konfrontation und das bewusste erinnern, an schlechte Momente und ging bis zu der Entscheidung in der Beziehung zu bleiben – natürlich, war das nicht der einzige Aspekt, welcher zu dieser Entscheidung führte -, welche mich letztlich so viel kostete.
Die Nebeneffekte
Neben dem oben thematisierten Einfluss auf meine Entscheidungen gab es noch mehr Nebeneffekte. Beispielsweise habe ich keine Kontrolle darüber, wohin meine Gedanken rasen. So kann aus einem Moment der Selbstreflexion sehr schnell ein Zustand des Selbsthasses werden. Außerdem habe ich keinerlei Kontrolle, wann und wie lange ich diese Schübe habe. Wenn es passiert, muss ich es einfach ertragen und hoffen, dass ich daraus wenigstens ein paar erkentnise gewinne und nicht nur den drang nach destruktivem Verhalten. Des Weiteren destabilisiert so ein Rausch meinen mentalen Zustand ungemein.
Abschließende Worte
Zum Glück, habe ich mittlerweile einen besseren Einblick in meine Gedanken und Gefühlswelt. Außerdem habe ich gelernt, dass – wer hätte es gedacht – es keine gute Idee ist, diesem Rausch hinterherzujagen. Dennoch verstehe ich natürlich, weshalb ich damals so viel getan habe, um in diesen Zustand zu kommen. Im Grunde war auch das ein Zeugnis meiner unerbittlichen Suche nach mir selbst.