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Du zeichnest Narben auf meiner Seele

Deine Anwesenheit verschlingt sämtliche Freude. Dein Geruch bringt mich zum Würgen. Deine Worte hinterlassen tiefe Wunden. Du bist der Mond, der die Sonne verdeckt. Das Haar in der Suppe, das Kratzen an der Tafel, die Seife in meinen Augen, die Warze an meinen Füßen, der Bandwurm in meinem Darm, der Papierschnitt an meinen Händen, der Stein auf meinem Herzen und ein Monster in meinen Augen. Du bist der Grund für all meine schlaflosen Nächte, für all die Verwirrung in mir, für all die Angst, Trauer, Zweifel. Du hast mich zerbrochen wie eine Glasmalerei, ich war zerbrechlich, es war mühelos. Trotz alledem habe ich Verständnis für dich, Verständnis für das, was du mir angetan hast. Du wurdest ausgenutzt, im Stich gelassen, enttäuscht und Manipuliert. All das wurde zu deiner Vergangenheit, die dich geformt hat, durch die du all diese Dinge getan hast. Nun bist du meine Vergangenheit, die mich geformt hat und genau deswegen habe ich Angst, genau so zu werden wie du – jemand, der Narben verursacht.

15.01.2025

Die Bedeutung

Was hier dargestellt ist, beschreibt eine Reise. Eine Achterbahn aus Emotionen und ein angsteinflößendes Mahnmal, was passiert, wenn ich die falschen Leute an mich ran lasse. Dieser doch recht kurze Text ist eine Verarbeitung einer Zeit, die von 2021 bis 2023 ging, aber mich – wie auch an dem Datum, wann ich diesen Text geschrieben habe zu erkennen ist – immer noch beschäftigt. Die hier aufgegriffenen Themen und besonders der letzte Satz sind Sachen, die immer noch Relevanz für mich haben. Eine Angst, die ich womöglich nie ganz besiegen werde.

Ich hatte den ersten Entwurf dieses Textes schon Mitte bis Ende 2024 fertig, aber an diesem Punkt war es nur eine Art sehr harsche Aufarbeitung meines Hasses. Es hat zu diesem Zeitpunkt festgehalten, an welchem Punkt in meiner Reise ich war. Ich empfand damals einzig Hass und Abneigung. Ein bisschen Verwirrung, wie ein Mensch mir all das Antun kann, war auch noch dabei. Nach einiger Zeit jedoch verschwand der Hass. Ich verstand allmählich, warum diese Person so gehandelt hat. Ich empfand immer mehr Empathie. Es war auf einmal der Anspruch an mich selber da, nicht nur blind zu hassen, ich wollte verstehen, warum das alles passiert ist und warum es mir immer noch so wichtig ist. Nach ein paar weiteren Monaten kam ich dann auf diesen Text. Auf die Erkenntnis, dass diese Person nach allen Definitionen grausam war – „ein Monster in meinen Augen“ – ich aber dennoch verstand warum. Aus meinem Hass wurde die Angst. Die Angst genau so zu werden. Um ehrlich zu sein, fällt es mir immer noch schwer, mit 100% Sicherheit zu sagen, dass ich nun anders wäre. Ich habe jetzt auch Dinge aus meiner Vergangenheit – eben diese Person -, die einen großen Einfluss auf mein Verhalten haben. Auch wenn ich niemals genau so werden könnte, niemals einer andern Person all das antun könnte, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht genauso jemand sein könnte. Jemand der Leid verursacht, bei den Menschen die mir am nächsten stehen.